Eine Balint-Gruppe besteht aus 6 – 12 Ärzten (Psychotherapeuten, Zahnärzten) und einem ausgebildeten Balint-Gruppenleiter, der die Gruppe moderiert. Gegenstand der Gruppenbetrachtung ist eine Arzt-Patient-Beziehung, die der jeweils vorstellende Behandler erhellt und reflektiert haben möchte. Der Zeitrahmen einer Fallbearbeitung umfasst 90 Minuten. Der „Fallgeber“ beschreibt die Begegnung mit einem seiner Patienten aus der Erinnerung. Hierzu werden weder Aufzeichnungen noch eine Krankenakte verwendet.

Durch die Schilderung entsteht ein erlebnis- und gefühlsnaher Eindruck vom Referenten, vom Patienten und der Beziehung beider zueinander. Die Gruppenteilnehmer, die diesen Bericht hören, geben anschließend ihren Eindruck, ihre Gefühle und Phantasien dazu wieder. Hieraus entsteht eine sehr komplexe Reflexion der geschilderten Arzt-Patient-Beziehung. Der Vortragende bekommt Anregungen für erweiterte und ergänzende Sichtweisen, eigene „blinde Flecken“ werden damit erhellt. Die Wirkung des Behandlers auf den Patienten und seine eigenen Verhaltensmuster werden deutlicher. Die Balint-Arbeit bietet dadurch Selbstreflexion und Selbsterfahrung für den Behandler, die allmählich zu einer „begrenzten, aber doch wesentlichen Wandlung in seiner Persönlichkeit“ (Michael Balint) führen kann.

Daneben wird die Fähigkeit des Behandlers vergrößert, sich auf den Patienten und dessen Erleben zu konzentrieren und einzulassen. Mit zunehmender Übung wird mit der fallbezogenen Theorievermittlung die Einsicht in die ablaufende Kommunikation und damit die kommunikative Kompetenz erweitert. Über die Krankheit als vordergründigen Kontaktanlass hinaus kann so leichter die Gesamtpersönlichkeit des Gegenübers und der Ganzheitsaspekt der therapeutischen Beziehung im Auge behalten werden. Dies führt im Alltag des Arztes und des Therapeuten zu einer wirkungsvolleren Therapie mit weniger emotionalem Kraftaufwand.