Nur in wenigen Berufen spielt das zwischenmenschliche Beziehungsgeschehen eine derart zentrale Rolle wie im Beruf des Lehrers. Und in fast keinem anderen Beruf ist das Risiko, ein Burnout zu erleiden, so groß, wie in diesem. Obwohl aber das Lehren und Lernen in der Institution Schule vollständig in zwischenmenschliche Beziehungsabläufe eingebettet ist, wird der Gestaltung des schulischen Beziehungsgeschehens gegenüber den Fragen der messbaren Wissensvermittlung eine oft nur nachrangige Bedeutung zuerkannt. Dies ist sicher ein Fehler.

Neben den überwiegend mangelhaften strukturellen Bedingungen des Arbeitsalltages eines Lehrers, wie z.B. der hohen Kompression des Schulgeschehens auf den Vormittag, dem Fehlen von Pausen und der Schwierigkeit der Trennung von Arbeit und Beruf innerhalb des Privatbereiches, sind die schweren Verhaltensprobleme einer immer größeren Zahl von Schülern, die als Ausdruck einer besorgniserregenden Situation der Kinder- und Jugendgesundheit in unserer Gesellschaft zu verstehen ist, der Hauptbelastungsfaktor für die Gesundheit des Lehrers.

Verstärkt wird diese Situation durch das Problem der mangelnden kollegialen Unterstützung, insbesondere im Umgang mit von außen an die Schule herangetragener Kritik über einzelne Lehrer, die oftmals zu Spaltungstendenzen innerhalb des Kollegiums führt. Aber auch die dysfunktionale Interaktion innerhalb des Kollegiums und zwischen Kollegium und Schulleitung ist ein bedeutender Teil des Problems.

Angesichts des enormen Druckes, unter dem Lehrer stehen, sind viele Lehrkräfte unsicher, inwieweit sie Identität und persönliche Authentizität in den Unterricht einbringen können. Unter dem Eindruck einer oft wenig unterstützenden, eher misstrauisch - kontrollierenden Einstellung vieler Eltern neigen Lehrer oft dazu, sich auf eine Position einer „identitätslosen Unangreifbarkeit“ zurückzuziehen, was jedoch dem Unterrichtsgeschehen und vor allem der Lehrergesundheit abträglich ist.

Die häufigsten Ursachen für eine vorzeitige Dienstunfähigkeit bei Lehrkräften sind psychosomatische Gesundheitsstörungen als Folge eines Burnouts. Als professionelle Hilfestellungen, die zu einer Verbesserung der innerschulischen Beziehungsgestaltung führen, können sowohl Einzelsupervision als auch die Intervisionsgruppen nach Michael Balint nützlich sein und helfen, die Arbeitsbedingungen für Lehrer entscheidend zu verbessern. Denn Lehren kann auch Spaß machen.